Die Wildnis in unsDas neue Buch von Torsten Schäfer, einem Hochschullehrer und Autor der sich schwerpunktmässig mit Umweltjournalismus beschäftigt, heisst „Die Wildnis in uns. Von ungezähmter Natur und inneren Landschaften".
Auf seiner Suche nach den Verbindungen zur Natur, der Natur in uns, besucht er Landschaften und nimmt die Leserinnen und Leser mit auf seine Begegnungen mit Natur und Menschen, die sich der Natur ebenfalls auf eine besondere Art verbunden fühlen. Torsten Schäfer schreibt von einer Sehnsucht zu erkunden, „was es damit auf sich hat, wenn sich Menschen und Tiere vermischen, in Geschichten, im Denken der europäischen Ureinwohner. Fragen schießen mir durch den Kopf: Was ist davon noch übrig? Was ist an dieser Sicht auf die Welt anders? Und wie verändert sich meine Sicht auf „Natur“, wenn ich mich damit tiefergehend beschäftige?“ So begegnen wir in seinem Buch den Sami, einem indigenen Volk im Norden, ihrem spezifischen musikalischen Ausdruck, dem Joik, in welchem sich die Sängerin mit einem Naturwesen identifiziert, einem Baum, einem See oder einem Tier. (Playlist mit Joiks) So intensiv die Beziehung, so klar auch die Regeln: Fischen und Geben. Teilen und Danken als Pfeiler der Kultur, für den es Orte gibt, welche die Sami „Sieidi“ nennen. Orte, an denen sie, als Dank an die Naturwesen, Gaben hinterlassen. Zurück an „seinem“ Fluss, der Modau, im Kapitel Flussleben, klingen diese Eindrücke nach. In der Modau kämpfen die Fische mit den gleichen Problemen wie die Fische im Kanton Luzern: Chemikalien und Gülle, welche das Wasser belasten und Bauwerke, welche die wandernden Fische von ihren Laichgründen abschneiden. Torsten Schäfer beschreibt aber auch Gefahren, welche einem Laien kaum bekannt sind. Schlamm, der die Eier der Forelle in der Laichgrube ihrer Eltern zerstört. Der Grund, die ausgetrockneten, harten Böden können das Wasser nach starkem Regen nicht aufsaugen, Schlammfluten ergiessen sich in die Bäche und Flüsse, sinken auf die Kiesbänke und verkleben sie. Kein Sauerstoff bedeutet kein Leben mehr für den Laich von Fischen wie Elritze, Bachforelle oder Groppe. Auch für Köcherfliegenlarven oder Bachflohkrebse bedeutet es den Tod. Das müsste nicht sein, so Torsten Schäfer. „Flüsse konnten sich früher selbst leichter reinwaschen, sie waren ungezähmt und wild, ihre Selbstreinigungskraft groß. Doch sie ist ihnen genommen worden, weshalb der Schlamm eine Gefahr ist, die kaum jemand diskutiert, auch die Umweltverbände nicht.“ Das Buch ist denn auch ein Aufruf, sich vermehrt mit der „eigenen“ Wildnis auseinanderzusetzen. Dies dürfte unterstützt werden, durch den, wie es Torsten Schäfer nennt, „Heimatbach-Effekt“, die Freude der Menschen „wenn sie sich an den Bach oder auch Teich ihrer Kindheit erinnern. Es ist ein natürlicher, tiefsitzender Erinnerungsort, der ihnen viel bedeutet.“ Es wird sich zeigen, inwiefern dieser Heimatbach-Effekt auch für die Reuss-Initiative eine Rolle spielen wird, wenn sich die Menschen im Kanton Luzern eine gesunde, wilde kleine Emme, Reuss, Wyna, Ron und wie sie alle heissen, wünschen. Torsten Schäfer, Die Wildnis in uns. Oekom Verlag, 2026 Kommentare sind geschlossen.
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März 2026
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